Der Kommentar: Vor zwei Wochen wurde bekannt, dass Facebook und Apple Mitarbeiterinnen das Einfrieren von Eizellen finanzieren, wenn diese den Kinderwunsch auf später verschieben, um Karriere zu machen. Kritiker sagen, dass die Frauen damit unter Druck gesetzt werden könnten, ihre Mutterschaft tatsächlich auf später zu verschieben.

Diese Woche löste Apple-Chef Jim Cook mit Aussagen zu seiner sexuellen Orientierung eine Debatte aus. Er sagte, er sei «stolz» auf seine Homosexualität und sehe diese als «Gottes grösstes Geschenk». Noch nie hat ein Manager sich derart entblösst und etwas Höchstprivates zum öffentlichen Thema gemacht.

Die Beispiele zeigen: Die Technologiefirmen aus dem Silikon Valley setzen längst nicht mehr nur technische Standards, mit denen sie Milliarden verdienen. Apple, Google und Facebook greifen zunehmend in den gesellschaftlichen Diskurs ein. Ist es gefährlich, wenn Konzerne dies tun, die gleichzeitig die wichtigsten Informationskanäle kontrollieren? Unternehmen, die über eine ökonomische Potenz verfügen, die manchen Staat als Schwächling aussehen lassen?

Der US-Autor Dave Eggers entwickelt im Buch «Der Circle» eine apokalyptische Vision einer Internet-Gesellschaft, in der durch totale Transparenz eine vollständige soziale Kontrolle erzeugt wird. Eggers Horrorvision mag polemisch sein, doch einzelne im Roman beschriebene Entwicklungen kommen nahe an die Realität oder wurden von ihr bereits überholt. Der Leitspruch von Google lautet: «Don’t be evil» (Sei nicht böse). Wir müssens glauben, überprüfen können wirs nicht.

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