Der Kommentar: Wahrhaftigkeit sollte seine Maxime sein – doch seit der Verdacht naheliegt, dass Karl-Theodor zu Guttenberg (39) bei seiner Doktorarbeit mogelte, hat der Ruf des Verteidigungsministers Schaden genommen. Verhöhnt, verspottet, vorgeführt als Schummler und falscher Doktor: Es ist eine vernichtende Zeit für das «überragende» politische Talent, wie ihm das nicht nur die «Frankfurter Zeitung» immer noch attestiert.

Ausgerechnet der immer wie geleckt auftretende Karl-Theodor Freiherr von und zu Guttenberg! Er ist der Vertreter einer Partei, die von Adenauer bis Kohl rhetorisch grössten Wert – gegen die hedonistischen 68er – auf akkurate Notengebung, harten Wettbewerb der Besten in den Schulen, auf Exzellenz in Wissenschaft und Forschung gelegt haben.

Der stillose Auftritt des ansonsten so haltungsbewussten Verteidigungsministers im Bundestag ist ein Indiz dafür, dass zu Guttenberg angeschlagen ist und die arrogant-nichtssagende Erklärung kein Ausdruck von Selbstsicherheit ist, sondern von Angst. Es sind keine zwei Jahre her, dass zu Guttenberg nur in der bayrischen Provinz bekannt war. Heute hat man den Eindruck, es drehe sich alles nur um ihn. Früher brauchten Politiker dafür ein ganzes Leben – heute reicht ein iPhone. Ist zu Guttenberg noch bei Sinnen?

Der Bundesminister hat offenkundig das geistige Eigentum anderer Bürger enteignet. Das war unehrbar, unanständig, kurz: durch und durch unbürgerlich. Was wir in diesen Wochen erleben, ist der Abgesang des deutschen Bürgertums, seiner Postulate, seiner Lebensform, seines Ethos. Die im Internet herrschende Gratiskultur hat auch dem Respekt vor der Arbeit anderer Schaden zugefügt. Warum soll man, wenn man ohne schlechtes Gewissen gratis Musik downloaden kann, vor Textpassagen haltmachen, die sich gut in der eigenen Arbeit verwenden lassen?

PS: Ausser diesem PS ist kein einziger Satz ein Original, auch der Titel nicht. Der Text stammt aus Kommentaren von Franz Walter («Spiegel»-Online), Fritz Dinkelmann («Die Südostschweiz»), Ronald Schenkel («Neue Zürcher Zeitung»), Luciano Ferrari («Der Bund»), Bettina Gaus («taz»), Peter Lausmann («Rhein-Zeitung») sowie der Hausmitteilung des «Spiegels». Die Textpassagen wurden sinnvoll zusammengewürfelt.