Ist die Frankenstärke ausgestanden?

Die Talfahrt des Frankens in den letzten zwei Wochen kommt einem vor wie ein kleines Wunder. Seit der Aufhebung der Untergrenze im Januar schien der Euro-Franken-Kurs nahe der Parität festgenagelt. Wie durch Zauberhand geführt, geht es nun bergauf. Und es besteht Hoffnung, dass sich der Trend fortsetzt: Ein Kurs von 1.12 und noch höher scheint in Griffweite. Johann Schneider-Ammann spricht im Interview von einem wünschenswerten Kurs von 1.20 Franken pro Euro. Der Wirtschaftsminister verbreitet Zuversicht, was auch zu seinem Job gehört. Die meisten Ökonomen sehen den fairen Wert des Frankens gegenüber dem Euro zwischen 1.25 und 1.27.

Ist die Frankenstärke damit ausgestanden? Mitnichten. Der plötzliche Wertverlust verschafft der Wirtschaft lediglich eine kurze Verschnaufpause – mehr nicht. Für hart kalkulierende Exportfirmen und Hotelbetriebe ändert die jüngste Erholung zunächst gar nichts. Die Entwicklung kommt zu plötzlich, um ein seriöses Budget erstellen zu können. Zu oft wurden ihre Pläne in den letzten Jahren über den Haufen geworfen, weil der Euro-Franken-Kurs Kapriolen schlug. Die meisten Firmen planen deshalb mit einem Kurs von 1.05 oder weniger. Wer meint, die Negativmeldungen über Massenentlassungen und Verlagerungen hörten jetzt auf, der täuscht sich.

Die Gründe für die plötzliche Abschwächung sind diffus. Einige Beobachter glauben, es liege an der Verbesserung der Wirtschaftslage in der Euro-Zone und an der Entspannung der Griechenland-Krise. Andere führen an, dass die Schweiz als sicherer Hafen ausgedient habe. Wieder andere verweisen auf die verschlechterten Wirtschaftsaussichten in der Schweiz. Das mag alles richtig sein, dennoch trifft es den Nagel nicht auf den Kopf. Die spannendste Begründung liefern die Devisenstrategen der Credit Suisse. Sie gehen davon aus, dass die jüngste Abschwächung vor allem durch Spekulanten getrieben sei, die sich in den letzten zwei Wochen «umpositioniert» haben und auf einen fallenden Schweizer Franken wetten. Trifft dies zu, ist der Kurs von 1.10 Franken pro Euro nicht mehr als ein Strohfeuer.

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