Der Kommentar: Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert. Das mögen sich die mit Schimpf und Schande in die Wüste geschickten früheren UBS-Chefs gedacht haben, als sie zum Schluss 5,1 Millionen (Peter Kurer) und 2,7 Millionen (Marcel Rohner) mit nach Hause nahmen. Sie hätten ja auch verzichten können, aber ihre Analyse war wohl: Die Etikette der UBS-Versager und Abzocker klebt ohnehin schon an uns, also greifen wir besser zu.

Doch auch die aktuelle Führungsriege scheint sich wenig um ihren Ruf zu kümmern – und damit um den Ruf der Bank. Wie sonst ist zu erklären, dass die UBS klammheimlich einen Konsultativbeschluss der letzten Generalversammlung ausgehebelt hat? Damals stellte Verwaltungsratspräsident Kaspar Villiger das neue Vergütungsmodell vor den Aktionären in den schönsten Farben dar: «Die UBS hat als meines Wissens weltweit einzige Grossbank ihre Salärstruktur für die obersten Kader unter wissenschaftlicher Begleitung im Sinne nachhaltiger Anreize überarbeitet.» Dieses «innovative» Vergütungsmodell wurde dann überaus deutlich, von 88 Prozent der Aktionäre, angenommen.

Eine Analyse des Vergütungsberichts zeigt nun allerdings: In Wahrheit hat die UBS noch ein zusätzliches Aktienbonus-Programm obendrauf gepackt – und die Auszahlung beschleunigt. Das war nicht das, was die Aktionäre an der GV zu beschliessen glaubten.

Das riecht nach Trickserei und hilft nicht, das dringend benötigte Vertrauen von Kunden, Aktionären und Bevölkerung zurückzugewinnen. Obwohl die UBS unter dem starken CEO Oswald Grübel wirtschaftlich bemerkenswerte Fortschritte gemacht hat, ist ihr Ruf nicht besser geworden. Sogar die bankenfreundliche Bundespräsidentin Doris Leuthard sagte gestern auf Radio DRS zur Boni-Politik: «Da kann ich nur den Kopf schütteln.» Das Vertrauen in die UBS kehrt nur zurück, wenn man auch ihren obersten Führungskräften vertrauen kann und will.

Ehrlichkeit, Integrität, Transparenz und Leistungsgerechtigkeit sind Werte, ohne die es nicht geht.