Die «verrückte» Analyse erwies sich als beängstigend realistisch: Im Herbst 2012 eskalierte die Euro- und Schuldenkrise. In Griechenland und Spanien stieg die Jugendarbeitslosigkeit auf über 50 Prozent. Es kam es zu Streiks gegen die drastischen Sparmassnahmen – und zu Gewalt auf der Strasse. Der griechische Ministerpräsident Antonis Samaras verglich die Situation gar mit jener im Deutschland der 30er-Jahre. Inzwischen ist es in Griechenland wieder ruhig, die deutsche Kanzlerin Angela Merkel besuchte diese Woche Athen und sprach vom Ende der Krise – obwohl die Staatsschulden höher sind denn je.

Vier Jahre sind seit der «Risikokarte» vergangen, und nun macht der Armeechef erneut mit einer Bedrohungsanalyse Schlagzeilen. Im Interview sagt André Blattmann, dass er zu Hause Notvorräte angelegt habe: 30 oder 40 Sechserpackungen Mineralwasser ohne Kohlensäure, Büchsennahrung, Holz fürs Cheminée. Er spricht von neuen Risiken und Bedrohungen – etwa Stromausfällen und Cyberattacken, welche die ganze Infrastruktur lahmlegen könnten.

Ist der Armeechef verrückt?, wird es wohl auch diesmal heissen. Nein, Blattmann nimmt nur seine Verantwortung wahr. Auch scheinbar unrealistische Szenarien durchzudenken und sich darauf vorzubereiten – wer, wenn nicht der oberste Sicherheitsverantwortliche, sollte das tun? Gerade die letzten Monate, das Aufflammen eines neuen «kalten Kriegs» in Osteuropa haben gezeigt, dass wirklich einschneidende Ereignisse oft ohne Ankündigung kommen. Nicht einmal die alles wissenden US-Geheimdienste sahen Anzeichen für Putins Handstreich auf der Krim.

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