Der Kommentar: Wer die Grünen wählt, dem ist der Umweltschutz wichtig. Wer SVP wählt, der tut dies wegen der scharfen Ausländerpolitik. Und wer CVP wählt, dem ist vor allem eines wichtig: eine Politik, welche die Familien ins Zentrum stellt.

Dass demokratische Parteien bisweilen gespalten sind, ist normal. Wenn sie aber bei ihrem Kernthema gespalten, ja zerstritten sind, dann wirds interessant. Die Frage, welche die SVP-Familieninitiative aufwirft, ist hochrelevant: Welche Familien sollen Steuerabzüge machen dürfen? Nur die, welche ihre Kinder fremdbetreuen lassen? Oder neu auch die, welche ihre Kinder zu Hause haben?

Auf diese Frage hat ausgerechnet die CVP keine Antwort. Präsident Christophe Darbellay und Fraktionschef Urs Schwaller sind für die Initiative. Die CVP-Frauen dagegen. Die Bundeshausfraktion ist zu zwei Dritteln dafür. Die Delegiertenversammlung stimmte gestern knapp dagegen. Und die Basis? Sie ist gemäss Umfrage dafür. Alles klar?

Es gibt gute Gründe für die SVP-Initiative, und es gibt gute Gründe dagegen. Für die Familienpartei CVP wäre die Sache jedoch simpel. Sie brauchte nicht gross abzuwägen. Sie müsste, wenn sie ihre Legitimation nicht verlieren will, für alles sein, was Familien fördert, begünstigt, entlastet. Und gegen alles, was Familien behindert, benachteiligt, belastet. Die SVP-Initiative entlastet traditionelle Familien – ohne Familien zu belasten, die ihre Kinder fremdbetreuen lassen. Es braucht nicht die Sorge
einer Familienpartei zu sein, wenn der Fiskus dadurch Geld verliert. Dieses Problem könnte sie, zum Beispiel, der FDP überlassen. Der CVP ist der Kompass abhanden gekommen.

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper!