Der Kommentar: US-Präsident Barack Obama hat recht. Freiwillig wird das iranische Regime nicht von seinem Atomprogramm lassen, das eine Bedrohung für den Weltfrieden darstellt. Und weil das Weisse Haus keinen Appetit auf eine kriegerische Auseinandersetzung in der Region hat, gibt es zu einer diplomatischen Lösung keine echte Alternative. Insofern ist das Vorgehen Obamas, der am Verhandlungsweg festhielt, nur konsequent.

Dennoch ist das in Lausanne erarbeitete Iran-Abkommen problematisch. Zunächst einmal ist die Vereinbarung (bewusst) äusserst vage formuliert. Der endgültige Pakt, der sämtliche offenen Fragen regeln soll, wird erst Ende Juni vorliegen. Vor allem aber ist es dem Weissen Haus nicht gelungen, den einzigen engen amerikanischen Verbündeten im Nahen Osten in die Verhandlungen einzubinden: Israel hat kein Interesse an einem Abkommen mit Iran, wie Ministerpräsident Benjamin Netanjahu nun erneut bekräftigt. Netanjahu droht gar, im Alleingang gegen das Atomprogramm der Mullahs vorzugehen.

Man kann dieses verbale Säbelrasseln als Teil einer Inszenierung verstehen, in der Obama in Washington den dialogbereiten Verhandlungspartner gibt und Netanjahu in Jerusalem die Rolle seines brachial vorgehenden Kompagnons spielt. Doch Netanjahu meint es wohl ernst. Vielleicht kommen ihm in letzter Minute die Israel-Freunde in Washington zu Hilfe. Republikanische und demokratische Falken im Parlament haben angetönt, die Umsetzung des Abkommens zu verzögern oder zu sabotieren – auch weil Obama wenig Rücksicht auf die Vorrechte des Kongresses nimmt. Angesichts dieser Unwägbarkeiten ist es zu früh, um bereits von einem historischen Durchbruch zu sprechen.

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