Die Nachricht: Frankreich spielt ein Powerplay gegen die Schweiz. Die Justiz in Paris verlangt von der UBS eine Kaution von 1,1 Milliarden Euro.

Der Kommentar: Nach den USA führt Frankreich die UBS zum Melken: 1,1 Milliarden Euro soll die Grossbank in Paris hinterlegen, noch bevor sie auch nur wegen eines Steuerdelikts angeklagt, geschweige denn verurteilt wäre. Da platzte sogar der diskreten UBS der Kragen.

Es ist unübersehbar: Der globale Wettbewerb ist seit der Wirtschaftskrise von 2008 härter geworden, jede Nation schaut für sich. Mehr denn je bestätigt sich die Einsicht von Charles de Gaulle: «Staaten sind keine Freunde, sie haben nur gemeinsame Interessen.» Die sogenannte Freundschaft zwischen Frankreich und Deutschland ist, wie sich über die häufigen Differenzen hinweg zeigt, in Wahrheit ein reiner Interessenverband. Aber dank ihr geben Berlin und Paris in Europa den Ton an.

Das Beispiel UBS zeigt: Die Schweiz wird nicht mehr darum herumkommen, Partner zu suchen, Allianzen zu schmieden, Zweckbündnisse abzuschliessen. Ein Kleinstaat mit einer weltoffenen Wirtschaft hat gar keine andere Wahl. Für sich zu schauen heisst nicht, isoliert zu bleiben. Sonderfall darf nicht Alleingang heissen. Auch Frankreich beharrt auf seiner «exception culturelle», profitiert aber von mannigfachen bilateralen und multilateralen Interessengemeinschaften. Das bedingt Abstriche, Kompromisse und mühsame Kuhhändel – doch ihr Nutzen ist unbestreitbar.

Für die Schweiz geht es derzeit gar nicht so sehr um die EU. Zuerst geht es um die Einsicht, dass Neutralität und diplomatisches Abseitsstehen allein nur noch von beschränktem Nutzen sind. Eine gescheite und flexible Allianzpolitik ist für die Schweiz vielleicht bald überlebenswichtig.

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