Der Kommentar: Nein, Kurt Felix hat die «Versteckte Kamera» nicht erfunden. Die Urform dieser Sendung gibt es beinahe so lange, wie es das Fernsehen gibt. Im deutschen Sprachraum war es in den frühen Sechzigerjahren der britische Schlager-Radebrecher Chris Howland («Das hab ich in Paris gelernt»), der das Verlade-Format populär machte. Kurt Felix gebührt aber das Verdienst, die Sendung perfektioniert und zur Hochblüte geführt zu haben.

«Verstehen Sie Spass?» fusst auf einer nicht sehr sympathischen, aber verbreiteten menschlichen Regung: der Schadenfreude. Was gibt es Schöneres, als sich über das Pech, die Dummheit oder die Vertrauensseligkeit der andern zu amüsieren? Immerhin hat sich «Verstehen Sie Spass?» 30 Jahre lang bemüht, gewisse Grenzen der Häme und des Spotts nicht zu überschreiten. Anders als private Fernsehveranstalter, die sich nicht scheuten, gezielt ausgewählte Unglücksraben dem unfeinen Gelächter des Publikums auszusetzen.

In der TV-Unterhaltung tut sich zurzeit einiges. Der Medienkonzern Ringier will im grösseren Stil ins Schweizer TV-Geschäft einsteigen. Geplant ist ein Abspielkanal für populäre (um nicht zu sagen: boulevardeske) Unterhaltungsformate. Da wird wohl nachproduziert werden, was die Firma Endemol in den Niederlanden an seichten Zerstreuungsformaten ausprobiert. Zugleich hält der Privatsender 3+ Ausschau nach neuen Models und paarungswilligen Bäuerinnen in spe.

Das ist eine Chance für das Schweizer Fernsehen. Wenn die boulevardesken Felder besetzt sind, kann es sich auf das konzentrieren, was man intelligente Unterhaltung nennt. Dies umso mehr, als beim SF 2011 eine neue Ära beginnt. Ob Sven Sarbach der Abteilung vorstehen wird oder Christoph Gebel, ist zweitrangig. Beide stehen für seriöse, nicht auf Klamauk und billigen Effekt bedachtes Entertainment.

Und vielleicht, wer weiss, entwickelt das Schweizer Fernsehen sogar wieder einmal ein eigenes, kluges Samstagabendformat. Niemand erwartet, dass es 30 Jahre Bestand hat.