Antwort von Oswald Grübel: Nicht unbedingt. Ich glaube allerdings, dass das Steuerabkommen mit Deutschland eine gute Chance hat durchzukommen, wenn die Wahlemotionen abebben. Denn es ist heute schwer vertretbar, 10 Milliarden plus abzulehnen.

Den automatischen Informationsaustausch müssten wir zusammen mit Luxemburg und Österreich mit der EU verhandeln. Er würde nicht die unversteuerten Vermögen schützen, die durch das Abkommen mit Deutschland neutralisiert werden. Er hätte aber den Vorteil, dass auf Anfrage nur Konten mit begründetem Verdacht aufgelegt werden müssten, und er würde den betroffenen Kunden die Möglichkeit geben, ihr in der Schweiz verwaltetes Vermögen neu zu strukturieren. Auch würde er der vom Bundesrat deklarierten sogenannten Weissgeldstrategie entgegenkommen, uns nicht zu Steuereintreibern für andere Staaten degradieren und wäre zudem für die Banken viel einfacher und billiger umzusetzen.

Die Nachteile liegen eher auf der fiskalpolitischen Seite als bei den Banken und deren Kunden. Die Schweiz müsste EU-Recht akzeptieren und würde ihren Status als Steueroase verlieren. In Anbetracht des mit Deutschland florierenden Kundeninformationshandels, der gewiss weitergehen würde, müsste der Bruch des Bankgeheimnisses erheblich höher bestraft werden, um das Gesetz durchsetzen zu können. Es sieht so aus, als ob die bilateralen Steuerabkommen ein kostspieliger Zwischenschritt sind, bis wir in einigen Jahren den automatischen Informationsaustausch akzeptieren.

Jede Woche beantwortet Oswald Grübel eine Leserfrage. Schicken Sie Ihre Frage an den ehemaligen UBS- und CS-Chef: gruebel@sonntagonline.ch

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper!