Der Kommentar: Das Bild ist schnell gezeichnet: chinesische Staatsunternehmen verschulden sich – losgelöst von allen Marktkräften – bis über beide Ohren, kaufen im Westen gross ein und richten diese Unternehmen zugrunde. Weil sie sich nach der Pekinger Industriepolitik richten – und manchmal den Launen von Bürokraten –, um sich das Kapital von chinesischen Staatsbanken zu sichern.

Das ist nicht nur ein Zerrbild. Eine Auswertung von zwei US-Denkfabriken, die die «Financial Times» präsentierte, zeigt: Zwischen 2005 und 2015 geriet rund ein Viertel aller chinesischen Deals im Ausland in «Schwierigkeiten». Gemeint sind Deals, die vollends scheiterten oder bei denen Lieferfristen oder Kostenbudgets massiv überschritten wurden.

Doch daraus können westliche Industriestaaten nicht von vornerein eine Berichtigung zur Blockade von chinesischen Investments ableiten. Immerhin hat das westliche System der Kapitalallokation über freie Finanzmärkte selbst einige kleinere Rumpler überstehen müssen. Hat da jemand Finanzkrise gesagt? Dotcom-Bubble? Hört man zudem Industrieführern in der Schweiz zu, kritisieren diese heftig die kurzfristige Denke von Finanzinvestoren.

Der Schweiz wird nicht viel mehr übrig bleiben, als sich mit den verschiedenen Geschäftsmodellen zu arrangieren. Bei allem Tempo sollte jedoch die Bevölkerung nicht vergessen werden. Es nutzt einem arbeitslosen Fünfzigjährigen nun einmal wenig, wenn der Strukturwandel irgendwo wieder neue Arbeit schafft – die ihm kein Unternehmen anvertrauen will.

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper