Der Kommentar: Ausgerechnet unter dem ehemaligen Industriellen und jetzigen Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann droht der Schweiz die Entindustrialisierung. Und was tut der Bundesrat? Was tut Schneider-Ammann? Er weigert sich, zu handeln, und sagt Sätze wie: «Die Firmen haben sich mit der neuen Situation abgefunden.» Oder: «Kurzfristig ist das eine gewaltige Herausforderung, doch ich bin zuversichtlich, dass der Werkplatz Schweiz damit noch wettbewerbsfähiger wird.»

Das Gegenteil ist wahr: Industrievertreter warnen davor, dass Tausende Firmen dem Untergang geweiht sind oder ins billigere Ausland abwandern. Die Erfahrung zeigt: Ist die Produktion einmal verlagert, kehrt sie nie mehr zurück. Bis zu 150000 Arbeitsplätze sind akut gefährdet.

Eine liberale Ordnungspolitik in Ehren. Aber was nützt das, wenn die heimische Industrie ausblutet? Es muss im höchsten Mass alarmieren, wenn ausgerechnet der Nachfolger Schneider-Ammanns als Präsident des Industrieverbands Swissmem, Hans Hess, die merkwürdige Passivität des Bundes anprangert. Hess sagt: «Ich habe manchmal das Gefühl, dass der Bundesrat, die Chefbeamten und die Politiker im Bundeshaus meinen Warnungen zwar zuhören, dann aber zur Tagesordnung übergehen.»

Das darf nicht sein. Der Bund ist nun gefordert, den Exportfirmen zu helfen – und zwar mit Massnahmen, die sofort wirken. Beispielsweise könnte er den Formularkrieg, der die Unternehmen belastet, weiter einschränken. Gemäss dem Verband Swiss Export würde das die kleinen Firmen auf einen Schlag von 10 bis 12 Prozent ihrer Kosten entlasten. Auch könnte der Bund die Innovationsfähigkeit der Schweizer Industrie stärken, indem er mehr Geld für die Förderung des Technologietransfers von den Hochschulen zur Wirtschaft bereitstellt. Viele Firmen sind nämlich gar nicht mehr in der Lage, in neue Produkte zu investieren, weil sie wegen des starken Frankens Verluste schreiben. Aber in Bundesbern nimmt man den Tod der einheimischen Industrie in Kauf.

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