Der Kommentar: Jährlich werden Tausende Mädchen unfreiwillig verheiratet – auch in den Flüchtlingslagern rund um Syrien. Viele davon ziehen dann weiter und kommen als Asylbewerber nach Europa. Zwangsehen haben oft gravierende psychische und physische Folgen. Umso wichtiger ist, dass die Kinder den nötigen Schutz erhalten. So ist es richtig, dass die Schweiz Kinderehen nicht anerkennt: Wer unter 16 ist, ist schlicht zu jung für eine Ehe. Das hielt Ende Dezember 2015 auch der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte fest. Dass vergangenes Jahr ein Genfer Gericht eine Ehe mit einer 14-Jährigen anerkannt hat, ist darum äusserst fragwürdig. Zumal bekannt ist, dass Kinderehen fast immer unter Zwang geschlossen werden.

Wie sieht es nun aber bei 16- und 17-Jährigen aus? Auch sie sind nicht erwachsen. Doch schliesst sich ein 16-jähriges Mädchen freiwillig mit einem 17-jährigen Jungen für die Flucht zusammen, dann kann dies für beide Vorteile bringen. Als Ehefrau ist sie beispielsweise weniger gefährdet, vergewaltigt zu werden. Daher ist es sinnvoll, wenn die Schweizer Behörden hier von Fall zu Fall entscheiden, ob eine solche Ehe anerkannt wird oder nicht.

Die Jugendlichen sollen die Möglichkeit erhalten, sich frei zu entwickeln. Damit dies gelingt, ist es entscheidend, dass die Behörden im Zweifelsfall für die oftmals jüngeren Mädchen entscheiden. Also lieber eine Ehe zu viel als eine Ehe zu wenig annullieren. Denn wenn es der Partner fürs Leben ist, können die Mädchen immer noch als junge Frauen (ab 18) aus freien Stücken heiraten.

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