Der Kommentar: Im luzernischen Ebersecken gibt es 400 Einwohner, einen Seilziehverein und keinen Handy-Empfang. Die mobile Enthaltsamkeit ist nicht ganz freiwillig: Zuerst fand sich jahrelang kein Antennenstandort, dann verbot ein Gericht eine eher halbschöne 25-Meter-Antenne.

Ob die Einwohner glücklicher oder gesünder leben als der Rest der Schweiz, ist nicht übermittelt. Und doch könnte der Ort zum Trendsetter werden. 28 Nationalräte misstrauen der Wissenschaft und den Behörden, die sich mit Handy-Strahlung befassen. Sie fordern ein grosses Forschungsprojekt. Kernstück: Eine strahlungsfreie Zone für «elektrisch Hypersensible», in der erforscht werden soll, ob die Sensiblen in ihr wieder beschwerdefrei leben können. Als «umgekehrten Weg» bezeichnen das die Motionäre. Dabei sollen auch «nicht messbare Veränderungen» berücksichtigt werden. Bei dieser Untersuchungsanlage darf getrost bezweifelt werden, dass wissenschaftlich verwertbare Resultate herausschauen.

Als Marketing-Idee könnte die Zone funktionieren. Mit Vollmond-Bier macht eine Brauerei ein gutes Geschäft. Privat-Fernsehsender bestreiten Teile ihres Programms mit weit unsympathischerer Esoterik-Abzocke. Und es stimmt: Dass die Mobilfunk-Forschung etwa an der ETH von der Branche mitfinanziert wird, ist kein Unikum im Wissenschaftsbetrieb, aber unschön. Vom Staat bezahlte Forschung könnte helfen – käme sie nicht in Form eines Null-Strahlen-Dorfs für Selbst-Diagnostizierte daher.
In Ebersecken geht die handyfreie Ära übrigens zu Ende. Die Swisscom hat doch noch einen Antennen-Standort gefunden. Einsprachen gingen diesmal keine mehr ein.

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper