Es sind nicht nur Kubas prachtvolle Landschaften, die Strände und die lebensfrohen Menschen, welche die Touristen anziehen. In den letzten Jahren wuchs der Reiz, ein museales Land zu erleben, das seinen «morbiden Charme», von dem in jedem Reiseführer die Rede ist, wohl bald verlieren wird, weil es sich nach der Castro-Ära öffnen könnte. Einmal noch auf die Insel, bevor das System zusammenkracht! Dass es etwas Zynisches hat, wenn man das Ende der Morbidität bedauert, die für das kubanische Volk nichts anderes als Elend und Armut bedeutet: Dessen sind sich viele Revolutionsnostalgiker sogar bewusst.

Nun ist Fidel Castro tot. Er war eine der schillerndsten Figuren der Weltpolitik. Er sah als Staatschef zehn US-Präsidenten kommen und gehen. Er überlebte unzählige Attentatsversuche. Kuba-Kenner René Zeyer attestiert Castro, der schwarzen Bevölkerung Menschenrechte und Würde gegeben zu haben. Die Lobpreisungen, mit denen linke Politiker aus aller Welt auf den Tod ihrer Ikone reagiert haben, hinterlassen dennoch einen schalen Nachgeschmack. Das Regime führte nicht nur zu einem ökonomischen Desaster. Es duldete auch keine Opposition. Castro liess politische Gegner einsperren oder hinrichten. Es entstanden Arbeitslager für Menschen, denen «Verbrechen an der revolutionären Moral» vorgeworfen wurden.

Wie wird Fidel Castros Tod das Land verändern? Solange sich sein Familienclan an der Macht hält, wird es wohl nur in kleinen Schritten vorwärtsgehen. Raúl Castro hat bloss zaghafte Wirtschaftsreformen eingeleitet. Die Zeit aber läuft gegen dieses Regime – und für die Freiheit.

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