Womöglich sagt das mehr über uns, das Fussvolk vor dem Fernseher, als über unsere Fussballer. Aber was genau? Der Zufall will, dass unsere Redaktion just diese Woche Einblick in eine Studie erhielt, die das Wesen der Schweizer zu ergründen versucht. Es ist nicht Claude Longchamp, es sind Künstler und Wissenschafter, die mit Befragungen und anderen Methoden die helvetische Befindlichkeit erforschen. 50 Jahre, nachdem ein ähnliches Projekt – «Gulliver» – an der Expo 64 vom Bundesrat durch Zensur gestoppt wurde.

Der Zeitpunkt ist gut. Die Schweiz ist, wieder einmal, auf Identitätssuche. Das ist besonders dann der Fall, wenn wir uns bedroht fühlen. Diesmal von der EU, die uns vielleicht die Bilateralen kaputtmacht. Und von den USA, die unser Bankgeheimnis geknackt haben. Die Schweiz als Opfer fremder Aggressoren – so sah sie sich wiederholt in der Geschichte, schon als die Habsburger und Napoleon kamen.

Aus dieser Opferrolle lässt sich zwar innenpolitisch Kapital schlagen, sie ist aber nicht zukunftsweisend. Selbstbewusstsein, gepaart mit gesunder Selbstkritik, helfen nicht nur im Fussball weiter, sondern auch in der Politik. Vielleicht spricht diese Haltung aus der neuen «Gulliver»-Umfrage, wonach die Schweizer am liebsten die folgenden drei Dinge aus der Geschichte streichen würden: das Swissair-Grounding, die Flüchtlingspolitik im Zweiten Weltkrieg und die UBS-Staatsrettung. Ein Umfrageresultat übrigens dürfte vor allem unsere Zinnsoldaten freuen: 75 Prozent sind grosszügig der Meinung, dass man auch dann ein guter Schweizer ist, wenn man die Nationalhymne nicht mitsingt.

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper