Der Kommentar: Vor einem Jahr erklärte Beat Zemp, Präsident des Lehrerverbands, in dieser Zeitung das Jahr 2016 zum Jahr der Integration der Flüchtlingskinder. Damals war klar, dass eine enorme Herausforderung auf die Schulen zukommen wird. Seit dem Kosovokrieg 1999 gab es nicht mehr so viele minderjährige Asylsuchende, die in die Schweiz kamen. Für die Schulen galt es zu handeln, für die Politik und Wirtschaft, die Mittel dafür bereitzustellen.

Ein Jahr später wird klar: Die Hausaufgaben wurden nicht gemacht. An vielen Schulen fehlen nach wie vor Lehrer. Viele sind mit den jungen Flüchtlingen überfordert, können ihnen nicht die Unterstützung geben, die sie benötigen. Einen Job zu finden, ist für Flüchtlinge beinahe ein Ding der Unmöglichkeit. Ohne Deutschkenntnisse und ohne Arbeit bleiben sie oft jahrelang von der Sozialhilfe abhängig.

Aufgefangen werden Flüchtlinge einzig von freiwilligen Helfern, die Gratisarbeit leisten, die eigentlich von Politik und Wirtschaft erbracht werden müsste: Deutschkurse, Suppenküchen, Kleidersammlungen. Kirchen und Wohltäter springen dort ein, wo es der Staat versäumt, Verantwortung zu übernehmen. Gute Ideen, wie jene einer Schulbildung bis zum 25. Lebensjahr, haben viele. Diese jedoch umzusetzen, daran scheitert es regelmässig. Es ist eine Tatsache, dass Menschen zu uns kommen und vorerst bleiben werden. Darum darf ihre Integration nicht vom Goodwill von Freiwilligen abhängen.

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