Ich, Stalin und Alien

Kürzlich war ich Podiumsgast am Communication Summit, einem Treffen von Journalisten und PR-Leuten, organisiert vom Zürcher Presseverein und der Zürcher PR Gesellschaft. Es ging um die Jobwechsel zwischen PR und Journalismus. Aber eigentlich ging es um den Unterschied zwischen Journalismus und PR, den keiner mehr kennen will. «Geld ist bei einem Sesselwechsel ein Hygienefaktor, ein Treiber ist es nicht», sagte PR-Beraterin Elisabeth Meyerhans, ehemalige NZZ-Redaktorin, die als Kommunikatorin von Bundesrat Hans-Rudolf Merz tätig war, als dieser uns die Unternehmenssteuerreform II unterjubelte – ein Symbol für den (verlorenen) Kampf des Journalismus gegen PR, bei dem natürlich Geld der Treiber ist.

Bemerkenswert an diesem Anlass war nicht, dass ich neben dem Moderator und drei PR-Kräften der einzige Journalist war auf dem Podium – dieses Kräfteverhältnis spiegelt die Realität. Bemerkenswert war, dass ich ein Alien war. «Journalismus ist der Öffentlichkeit verpflichtet, PR bezahlten Interessen», sagte das Alien. Ein Wechsel sei deshalb Verrat am Beruf. «Du bist ein Dogmatiker», antwortete Ex-«Tages-Anzeiger»-Chefredaktor und Ex-UBS-Kommunikator Peter Hartmeier, der alle zu seinen Berufskollegen zählt, «die Qualitätsstandards setzen und auf hohem Niveau Texte schreiben, Fragen stellen und kritisch beobachten.» Ob diese Qualitäten bei der UBS etwas genützt haben, blieb offen.

Nach der Podiumsdiskussion verriet mir ein Kollege meinen Übernamen bei diesen Kollegen: Stalin. Wie schnell man doch in der Anything-goes-Gesellschaft in irritierender Nähe zum Linksterrorismus landet, wenn man sich an den Werten der Aufklärung orientiert. Aber Stalin bleibt stur: Relativismus mag gut sein fürs Portemonnaie, ein Verrat am Journalismus und der aufgeklärten Gesellschaft bleibts.

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