Der Kommentar: Das US-Onlineportal hat das sogenannte Couchsurfing erfolgreich kommerzialisiert. Wer statt in einem Hotel in einem Privatapartment übernachten will, sei es im luxuriösen Queensize-Bett oder auf einer alten Couch, soll dafür etwas bezahlen. Die Touristen reisen günstiger, und die Gastgeber erhalten einen Zustupf an ihre Miete.

Der Erfolg von Airbnb sorgt bei den Schweizer Hoteliers nun für Nervosität – und Ärger. Denn ein Hotel Hirschen oder Hotel Sonne hat hierzulande zig Behördenauflagen zu erfüllen, von der Brandschutzanlage bis zur Bezahlung der Tourismustaxen. Airbnb-Mitglieder kümmert das herzlich wenig.

Dieser Ärger ist nachvollziehbar, und eine rechtliche Regelung dieses neuen Mietmodells ist notwendig. Doch Verhältnismässigkeit ist gefragt. Wer ab und zu das Sofa im Bürozimmer gegen ein kleines Entgelt Touristen zur Verfügung stellt und vorher die Einwilligung des Vermieters einholt, soll das weiterhin ohne Auflage tun dürfen. Nur wer systematisch seine Wohnung wochen- oder gar monatelang untervermietet und daraus ein Geschäft macht, soll auch entsprechende Gebühren bezahlen und Auflagen erfüllen.

Dennoch bleibt der Verdacht, dass einige Hotels vor allem aus Angst klagen. Da blieben zuletzt viele Gäste wegen der Frankenstärke ihren Betten fern, und nun drohen sie auf das billige Sofa auszuweichen. Dabei müssten sich die Hoteliers fragen, weshalb Airbnb überhaupt erfolgreich ist. Ist es wirklich nur der tiefe Preis? Oder eher die regionale Authentizität, die Nähe zum Land, die der Reisende sucht? Viele Gäste haben es satt, dass die Zimmer von Hotelketten überall gleich aussehen, anstatt dass sie mit regionalem Charme auftrumpfen.

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