Hoffen auf die Ferienpatrioten

Die Nachricht: Touristiker berichten von einer guten Sommer-Bilanz. Im ersten Halbjahr hingegen nahm die Zahl der Übernachtungen in den Schweizer Hotels erneut ab, um 1,2 Prozent.

Der Kommentar: Die Krise fehlt in keinem Bericht über den Schweizer Tourismus. Seit 2009 zeigen die Zahlen in den Bergen dramatisch nach unten. In den Städten läuft das Geschäft zwar besser denn je: Die Grossregion Zürich zählt mehr internationale Gäste als Lissabon oder Budapest und fast gleich viele wie Berlin. Den Hoteliers im Engadin oder Wallis bringt das aber herzlich wenig.

Dass nun in den Sommerferien wieder mehr Gäste in die Berge gefunden haben, ist eine erfreuliche Überraschung. Überbewertet werden sollte sie aber nicht. Natürlich nützt es, wenn die Schweizer das Wandern wieder entdecken. Und klar profitiert das Land vom Image als terrorfreie Zone. Doch ob das reicht, um langfristig Gäste zu gewinnen, ist zweifelhaft. Ebenso, ob TV-Spots mit hübschen Berglandschaften und Heidi-Folklore dazu führen, dass mehr ausländische Touristen angezogen werden.

Es ist bittere Realität: Spätestens seit der starken Aufwertung des Frankens ist die Schweiz vielen Europäern zu teuer. Solange das so bleibt, kommen sie nicht zurück, selbst wenn die Qualität der Angebote stimmt und die Gastfreundschaft besser geworden ist.

Die Hoffnung ruht darum auf den einheimischen Gästen: Sie bekommen den Lohn in Schweizer Franken und verstehen, warum das Preisniveau hierzulande höher ist. Gerade Familien schätzen kurze Wege. Es ist darum sinnvoll, wenn sich der Tourismus – ohne die ausländischen Gäste zu vernachlässigen – der heimischen Zielgruppe annimmt. Die Frage wird nun sein, wie nahe ihr das eigene Portemonnaie ist.

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