Der Kommentar: Befinden wir uns auf dem Weg zurück in die Normalität? Bezahlen unsere Banken bald wieder Zins auf Spareinlagen? Um es vorwegzunehmen: Freuen Sie sich nicht zu früh. Bis sich in der Schweiz etwas ändert, kann es noch lange dauern. Denn relevant ist für uns weniger Amerika als Europa. Die Schweizer Geldpolitik wird von der Europäischen Zentralbank gemacht – ob wir das mögen oder nicht. Wollen wir starke Bewegungen zwischen Franken und Euro verhindern, muss die Nationalbank die Euro-Geldpolitik nachvollziehen. Man kann das gerne auch «unabhängig» nennen.

Was das bedeutet, haben wir dieses Jahr erlebt. Als die Nationalbank im Januar die mehr oder weniger direkte Euro-Anbindung überraschend aufgab, musste sie die Zinsen massiv senken, um zu verhindern, dass der Euro-Kurs zu stark abstürzte. Sie hat das gar nicht so schlecht geschafft. Die Aufwertung beträgt noch elf Prozent.

Auch das hat die Schweiz gemeistert. Natürlich; es gab Meldungen von Massenentlassungen und Firmen, die Standorte ins Ausland verlegten. Viele Schweizer haben mittlerweile eine höhere Stundenzahl im Arbeitsvertrag stehen. Doch nüchtern betrachtet, muss man sagen: Es geht uns noch immer gut. Selbst dieses Jahr wächst die Schweizer Wirtschaft. Eine wahre Krise sieht anders aus.

Was heisst nun der US-Zinsschritt? Er bedeutet dennoch eine Erleichterung. Der Dollar hat sich bereits im letzten halben Jahr um zehn Prozent aufgewertet, und es gibt Hoffnung auf mehr. Firmen, die in den Dollarraum exportieren, spüren das. Zudem steigt die Hoffnung, dass Europa irgendwann nachziehen könnte. Und damit auch die Schweiz.

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