Der Kommentar: Um es vorwegzunehmen: Ich bin Deutsche. Und ich nehme die Position meiner schwäbischen Landsleute ein. Die sitzen jenseits der Grenze und beobachten die Schweiz – jene Insel der Glückseligkeit. Nicht mal die Wirtschaftskrise hat ihnen nachhaltig geschadet: eine Arbeitslosenquote, von der wir nur träumen, keine Diskussionen über Hartz IV. Dafür fliegen die Jets zum Flughafen Zürich über unser Ländle; Schweizer Bauern kaufen unser Land und machen sich die bessere Situation schweizerischer Landwirtschaft zunutze; mit ihrem Bankgeheimnis bieten sie unseren superreichen Steuerflüchtlingen Unterschlupf.

Und jetzt kommen sie hierher zum Einkaufen. Schlangen auf den Strassen, Parkhäuser verstopft, Schlangen an den Kassen. Und dann belegen sie die Tische im Café und treiben die Preise in die Höhe.

Seitenwechsel: Denn ich bin nicht nur Deutsche, sondern ich lebe seit weit über zwanzig Jahren in der Schweiz. Wie tönt es hier? Jetzt kommen die Deutschen und treiben die Wohnungspreise an der Goldküste in astronomische Höhen. Sie nehmen uns die guten Jobs im Gesundheitswesen und bei den Banken weg. Dann knacken sie unser Bankgeheimnis. Und zu allem Übel muss man sich die Sprache überall in den Strassen anhören.

Und nun mal Hand aufs Herz: Das sind Klischees, die in die Mottenkiste nationalstaatlichen Denkens des 19. Jahrhunderts gehören. Denn hüben wie drüben der Grenze handelt jeder danach, was für ihn selbst das Vernünftigste ist. Und immer schaut man etwas neidvoll auf den Anderen. Dabei ist der Schwabe dem Deutschschweizer ähnlicher, als es im verstopften Parkhaus scheint.

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