Der Kommentar: Das Jahr ist noch jung, und bereits ist nach Philipp Hildebrand ein zweites Monument der Schweizer Wirtschaft gestürzt: Konrad Hummler hat seine Wegelin-Bank in äusserster Not aufgegeben. Bei ihm und den anderen Teilhabern verbleibt der «toxische» Teil der Bank mit den US-Kunden. Im schlimmsten Fall verliert Hummler sein ganzes Vermögen und wird wieder der «mittellose Habenichts», als den er sich einst bezeichnete.

Eines muss man Hummler hoch anrechnen: Er geht dieses persönliche Risiko ein, um die Kunden zu schützen, die nun bei der Raiffeisenbank Asyl finden. Doch das kann das unternehmerische Versagen nicht verdecken. Hummler hat 2008 mit der damaligen Übernahme von amerikanischen UBS-Kunden einen Fehlentscheid getroffen, der nun das Ende der ältesten Bank der Schweiz bedeutet.

Hummler glaubte, ihm gelinge alles. Erst vor 15 Jahren übernahmen er und Otto Bruderer die Bank Wegelin. Die Zahl der Mitarbeiter hat sich von 25 auf 700 vervielfacht, die verwalteten Vermögen explodierten auf 23 Milliarden Franken. Die Bank lief so gut, dass sich Hummler zutraute, nebenbei auch noch den NZZ-Verlag präsidieren zu können. Seine legendären Anlagekommentare schrieb er weiterhin. Auf allen Kanälen erzählte er im Ton des Unfehlbaren, was die Grossbanken falsch machten, wie die Nationalbank auf die Euro-Schwäche reagieren sollte, was guter Journalismus ist. Die Medien zitierten ihn gern. Auch, als er in seinem berüchtigten Anlagekommentar Nr. 265 über die USA herzog.

Jetzt, nach seinem Fall, klingen die scharfen Worte, wenn man sie nochmals liest, seltsam hohl. Und man merkt: Hier ist einer hochmütig geworden.

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