Der Kommentar: Zuweilen hat man den Eindruck, die Nationalmannschaft habe eine beinahe staatstragende Komponente. Sie stürzt nach Niederlagen wie gegen Montenegro eine halbe Nation in eine Identitätskrise. Nun gut: Es ist und bleibt ein Spiel. Aber da wären wir schon beim wunden Punkt. Denn «spielerisch» hat man dieses Nationalteam seit langem nicht mehr gesehen.

Dass eine Fussballnation wie die Schweiz nur zwei der letzten zwölf Spiele gewinnt, dass sie aufgrund der schon fast aussichtslosen Ausgangslage auch mal wieder ein grosses Turnier verpasst, das ist weiter keine Tragödie und auch keine Überraschung. Weit beängstigender ist die Art und Weise, wie dieses Team derzeit auftritt.

Von lustvollem und beherztem Fussball ist nichts zu sehen und zu spüren. Das registrieren auch die Fans, die sich zunehmend enttäuscht und ernüchtert von dieser Mannschaft abwenden. Natürlich, der Fan will auch Resultate, er will Erfolge. Aber er will auch Erlebnisse. Und Erlebnisse bietet dieses Team im Moment nicht.


Das hat zum einen mit dem Spielermaterial zu tun. Zum anderen aber auch mit Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld. Hitzfeld ist ein Mann von Weltruf und er war ein herausragender Klubtrainer. Die Mannschaft hat mit ihm die WM-Endrunde in Südafrika erreicht. Man hat dort zwar den Weltmeister besiegt.

Aber fussballerisch war der Gesamteindruck ernüchternd. Und seither ist keine Besserung eingetreten. Die Mannschaft spielt einen unterkühlten, einen berechnenden Defensivfussball. Ohne Inspiration und ohne Mut. Sie will in erster Linie nicht verlieren. Und erst in zweiter Linie gewinnen. Dafür ist der Trainer zuständig. Und der Trainer ist jetzt gefordert wie noch nie in seiner zweijährigen Amtszeit.

Natürlich: Hitzfeld muss mit dem Spielermaterial arbeiten, das zur Verfügung steht. Es fehlen ihm vor allem durchschlagskräftige Stürmer von internationalem Format. In diesem Zusammenhang hat es Hitzfeld aber versäumt, eine neue Hierarchie zu schaffen. Captain und Platzhirsch ist nach wie vor Alex Frei.

Aber Frei wird für dieses Team zunehmend zur Hypothek. Er kann seinen Status nicht mit entsprechenden Leistungen rechtfertigen. Und: Er ist für die Entwicklung dieser Mannschaft zum hemmenden Element geworden. Eine Ära geht zu Ende.