Der Kommentar: Es geht jetzt nicht um die Frage, ob Ottmar Hitzfeld weg muss oder nicht. Denn Hitzfeld hat bis 2014 verlängert. Es geht auch nicht um die Frage, ob es richtig war, frühzeitig mit Hitzfeld zu verlängern. Die Verbandsbosse haben Hitzfeld einen neuen Vertrag offeriert, und sie würden es auch heute, zwei Tage nach dem Scheitern in der EM-Qualifikation, wieder tun. Obwohl die Resultate nicht für den Deutschen sprechen. Hingegen sprechen sein Renommee als Weltklasse-Trainer und sein Ansehen bei den Sponsoren für ihn. Fakt ist: Hitzfeld ist und bleibt unser Trainer, wenn alles gut läuft, bis und mit WM 2014 – und damit basta.

Doch das hindert uns nicht daran, die Rolle Hitzfelds in dieser enttäuschenden EM-Qualifikation zu durchleuchten. Vielleicht hatte ja Hitzfeld nach der WM in Südafrika einen Plan, wie er die Schweiz an die EM führen würde. Nur wurde dieser Plan nicht richtig ersichtlich. Hitzfeld war nicht der autoritäre Kapitän, der den Kurs bestimmt, sondern Treibgut. Oft reagierte er bloss, statt zu agieren. Er tolerierte eine miese Leistung in Montenegro (0:1). Er tolerierte den Rücktritt von Alex Frei auf Zeit, statt sofort auf den damaligen Captain zu verzichten. Und er reagierte erst mit dem Einbau von den aufstrebenden Talenten, als er keine andere Wahl mehr hatte.

Trotzdem: Hitzfeld kann mit diesem Team viel erreichen, wenn er wieder proaktiv agiert, statt sich wie in der EM-Qualifikation von den Ereignissen treiben zu lassen. Denn seine Kompetenz ist ebenso unbestritten wie das Talent und der Erfolgshunger dieser jungen Schweizer Mannschaft.

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