Der Kommentar: Der ehemalige Bundesrichter Hans Wiprächtiger zeigte sich in der TV-Sendung «10 vor 10» begeistert: «Ich habe Freude an dem Urteil!», sagte er. Denn es setze ein «Zeichen gegen die Masslosigkeit beim Strafen». Und lebenslängliche Verwahrung – die brauche es generell nicht.

Wie bitte? Vor knapp zehn Jahren hat sich das Volk für die lebenslange Verwahrung ausgesprochen. Jetzt kommt ein Wiederholungstäter vor Gericht, der in grausamster und perverser Weise ein Mädchen ermordet hat – und die lebenslange Verwahrung wird abgelehnt. Mitte-links-Parlamentarier und die meisten Medien applaudieren. Da ist etwas faul im Staate Dänemark.

Es macht misstrauisch, wenn der 5:0-Entscheid des Bundesgerichts als alternativlos dargestellt wird. Immerhin kam die Vorinstanz, das Aargauer Obergericht, zum Schluss, dass eine lebenslange Verwahrung möglich ist. Es stützte sich auf die gleiche Verfassungs- und Gesetzesgrundlage und auf die gleichen psychiatrischen Gutachten.

Misstrauisch macht auch die Argumentation derer, die das Bundesgerichtsurteil verteidigen: Niemand müsse Angst haben, beschwichtigen sie. Die Wahrscheinlichkeit, dass Daniel H. je wieder freikomme, tendiere gegen null. Wenn das stimmt: Warum hat man dann nicht gleich «lebenslang» beschlossen, um die letzten Zweifel auszuräumen? Man will dem Mörder eben doch eine Hintertür offenhalten. In Genf konnte kürzlich ein zweifacher Vergewaltiger im Freigang ein Messer kaufen und damit seine Therapeutin töten. Das zeigt: Den Behörden kann man nicht trauen. Zu viele «Unfälle» geschehen. Es wäre darum an den Gerichten, die Bevölkerung vor gemeingefährlichen Tätern dauerhaft zu schützen.

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