Hans Küng leidet an Parkinson, ist aber nicht nur deswegen «lebenssatt». Andere 85-Jährige haben das Glück, kerngesund zu sein, nicht zuletzt dank dem medizinischen Fortschritt. Alt zu werden, ist der Traum der meisten Menschen; nur wenige denken wohl wie Küng daran, das eigene Leben freiwillig zu verkürzen. Und dieser Traum wird immer wahrscheinlicher, wie die neuen Zahlen der OECD zeigen: Die Schweiz liegt jetzt punkto Lebenserwartung erstmals weltweit an der Spitze.

Das ist eine vorbehaltlos gute Nachricht. Doch wenn sich die Politik mit der steigenden Lebenserwartung befasst, geht es fast immer um unschöne Dinge. Das zeigte sich diese Woche bei der Diskussion um die Rentenreform, die Bundesrat Alain Berset vorgestellt hat. Sie bringt lauter Unannehmlichkeiten mit sich: Tiefere Renten, höhere Mehrwertsteuer, Erhöhung des Rentenalters für Frauen auf 65. Fast nur darüber wurde gesprochen. Hilfe, wir leben länger!

Höhere Lebenserwartung als Bedrohung? Das ist grotesk. Wir müssen lernen, die demografische Entwicklung als das zu sehen, was sie ist: Eine grosse Chance für jeden Einzelnen und für die Gesellschaft als Ganzes, für das Zusammenspiel der Generationen. Im Kleinen ist das längst geschehen: Die Rolle der Grosseltern wird in vielen Familien wichtiger, vor allem, wenn beide Eltern berufstätig sind. Es ist Zeit, dass auch in der Politik ein Umdenken einsetzt.

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