Der Kommentar: Das erste Amtsjahr des neuen Nationalbankpräsidenten Philipp Hildebrand endet in einer Katastrophe. Der Währungsverlust von 30 Milliarden Franken wird in Zukunft in einem Atemzug mit den 60 Milliarden genannt werden, welche die UBS im amerikanischen Immobilienmarkt versenkte.

Zu diesem gewaltigen Verlust ist es gekommen, weil Hildebrand letzten Frühling massiv am Devisenmarkt intervenierte. Er wollte damit einen vernünftigen Eurokurs gegenüber dem Franken durchsetzen. Er warf zur Verteidigung Dutzende von Milliarden in den Markt. Doch die Märkte zeigten sich unbeeindruckt. Die Aktion verfehlte die gewünschte Wirkung. Hildebrand konnte nur noch zuschauen, wie die riesigen Euro-Berge in der Bilanz Monat für Monat kleiner wurden. Nun muss er sich vorwerfen lassen, viel zu früh am Devisenmarkt interveniert zu haben.

Hildebrand ist in Finanzkreisen längst zur Reizfigur geworden. Die Grossbanken ärgern sich schon lange über den smarten SNB-Präsidenten, der ihnen knallharte Vorschriften macht. Den Kritikern kommt das Pleitejahr der Nationalbank gerade recht. Der Mega-Verlust liefert den perfekten Steilpass, um Hildebrands Glaubwürdigkeit zu untergraben. Es dürfte nicht mehr lange dauern, bis erste Stimmen seinen Kopf fordern.

Dabei wird ausgeblendet, dass es sich bei den 30 Milliarden «nur» um einen Buchverlust handelt, der sich nächstes Jahr in einen riesigen Gewinn verwandeln könnte. Und es geht auch vergessen, dass die Schweiz wirtschaftlich eines der erfolgreichsten Jahre hinter sich hat. 2010 wuchs die Wirtschaft mit 2,7 Prozent. Die Beschäftigung liegt auf Rekordniveau. Niemand weiss, was passiert wäre, wenn die Nationalbank nicht so entschieden auf den Märkten interveniert hätte.

Es wird nicht einfach sein, seine Kritiker zum Verstummen zu bringen. Das nächste öffentliche Referat hält Hildebrand am 20. Januar im Club of Rome Forum in Zürich. Thema: «Die Schweizerische Nationalbank und die Finanzkrise». Dort wird er sich erklären müssen.

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