Der Kommentar: Dass der erfolgreichste TV-Macher der Schweiz am Freitag den Schweizer Fernsehpreis für sein Lebenswerk bekommen hat, ist eher eine Peinlichkeit als ein erfreuliches Ereignis: Die Verleihung macht nämlich ein unverständliches Versäumnis deutlich – Felix hätte diese Auszeichnung schon längst erhalten müssen!

Dass es jetzt geklappt hat, sollte Anlass sein, über das nachzudenken, was aus dem Fernsehgenre geworden ist, das Felix so vortrefflich beherrscht hat: die Unterhaltung. Beim Schweizer Fernsehen steht sie wieder einmal am berühmten Scheideweg. Denn am Leutschenbach ist Hektik ausgebrochen, seit bekannt geworden ist, dass die Gesamteinschaltquote vor allem wegen der schwächelnden Zahlen der Info-Sendungen signifikant gesunken ist. Um den Marktanteil wieder deutlich über 30 Prozent zu bringen, gäbe es ein wohlfeiles Rezept: Die Unterhaltung total auf den Massengeschmack auszurichten. Also den Casting- und Ratingshows die Tür vollends zu öffnen und den Samstag zum ständigen «Happy day» zu machen.

Bevor es zu übereilten Entscheiden kommt, sollten sich SRF-Direktor Rudolf Matter und sein Unterhaltungschef Christoph Gebel darauf besinnen, dass sie ihre Ämter mit dem Versprechen angetreten haben, Relevanz auch in der Unterhaltung zum Zug kommen zu lassen.

Die Fernsehmacher, aber auch wir Kritiker, müssen uns wohl daran gewöhnen, dass Sendungen im 20-Prozent-Bereich künftig eher die Regel als die Ausnahme sein werden. Auf die Zahlen, die Kurt Felix zu seinen besten Zeiten erreichte, würde in der heutigen, so andern Medienwelt selbst ein Kurt Felix nicht mehr kommen.

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper!