Der Kommentar: Seit Jahren steht der Weltfussballverband in der Kritik wegen seinen korrupten und undurchsichtigen Strukturen. Sepp Blatter hat bisher alle Angriffe auf seine Person erfolgreich abgewehrt – mit Bauernschläue und mit unverhohlenem Druck auf seine Gegner.

Doch jetzt ist das Fass voll – übervoll. Mit der Veröffentlichung der Gerichtsakten über die Fifa-Schmiergeldpraxis ist der Rücktritt von Sepp Blatter überfällig. Dieser Meinung ist auch Reinhard Rauball, Präsident der deutschen Bundesliga. Er wird nicht der Letzte sein, der sich einen Neuanfang mit sauberen Spielregeln nicht nur auf dem Fussballfeld, sondern auch bei der Fifa wünscht.

Blatter hat bei den Schmiergeldzahlungen öffentlich und wiederholt nicht die Wahrheit gesagt. «In der Fifa gibt es keine Korruption» lautete der Interview-Titel der «Weltwoche» Ende 2010. Da stand die Fifa schon lange auf der Anklagebank, weil sie nichts gegen die geldgierigen Funktionäre gemacht hat. Und Sepp Blatter konnte bereits im September 2009 nicht ausschliessen, dass auch gegen seine Person ermittelt wird.

«Hut ab vor Stephan Reinhardt. Selten erkennt jemand den Moment, wenn der eigene Rücktritt unvermeidbar geworden ist», schrieb AZ-Chefredaktor Christian Dorer gestern zum Rücktritt des Aargauer Polizeichefs. Diese Einsicht wünschte man sich auch von Sepp Blatter.

Doch der 76-jährige Walliser sitzt in seinem Fussball-Tempel hoch oben auf dem Zürichberg und merkt nicht, dass die Luft dünn und dünner wird für ihn. Dass es ein Leben nach der Fifa gibt, kann er sich nicht vorstellen. Eigentlich tragisch.

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