Der Kommentar: Er war als Hoffnungsträger angetreten: Erwin Beyeler, «Kriminalpolizist mit Weitblick» («NZZ»), sollte die mit Valentin Roschacher massiv in die Kritik geratene Bundesanwaltschaft in ruhigere Gewässer führen. Das ging gut, bis ihn mit dem Fall Ramos die Vergangenheit einholte. Beyeler spielt seine Rolle herunter und entzieht sich der Verantwortung, wenn er seine Handlungen als damaliger Chef der Bundeskriminalpolizei auf reine «Vorabklärungen» reduziert. Was, wenn nicht diese Vorabklärungen, hat den Stein in der Affäre Holenweger ins Rollen gebracht?

Halten wir fest: Erwin Beyeler wurde von Valentin Roschacher konkret ersucht «zu entscheiden» (Zitat Aufsichtsbericht Bertossa/Keller), ob seine Behörde daran interessiert sei, diejenigen Informationen zu nutzen, welche Ramos liefern könnte. Beyeler sagte Ja. Die Operation mit dem Ziel, einen unbescholtenen Privatbankier der Drogengeldwäscherei zu überführen, konnte starten. Es wurde ein Flop. Acht Jahre später wartet Oskar Holenweger immer noch auf den Prozess. Das allein ist ein Skandal. Ein zweiter ist, wenn Beyeler weiterhin behauptet, er habe «rein gar nichts» mit Ramos zu tun. Das ist eine High-Risk-Strategie, die ihm spätestens vor Bundesstrafgericht um die Ohren fliegen dürfte – dann werden auch vertrauliche Protokolle auf den Tisch kommen.

Beyeler wird erst wieder glaubwürdig, wenn er hinsteht und das zugibt, was eh schon schwarz auf weiss feststeht: Er ist mitverantwortlich für die Verpflichtung eines zwielichtigen Doppel-Agenten, der die Schweizer Behörden an der Nase herumführte. Die Formel lautete auf den Punkt gebracht: Ohne Beyeler kein Ramos. Der Bundesanwalt verkennt die öffentliche Wirkung, wenn er das stur und tatsachenwidrig bestreitet. «Wir müssen die Altlasten endlich abbauen», sagt Beyeler in einem Interview mit dem «Blick». Er sollte bei sich selber anfangen und die Augen nicht vor seiner Altlast Ramos verschliessen.