Einerseits wissen wir, dass der sagenhafte wirtschaftliche Erfolg der Schweiz nur möglich war und ist, weil wir ein offenes Land sind und vom Erdbeerpflücker bis zur ETH-Professorin auf Ausländer angewiesen sind. Andererseits gehören Unabhängigkeit, Eigenständigkeit und damit verbunden die Angst vor Identitätsverlust, ja die Angst vor dem Fremden zu unserer DNA.

Die Schweiz funktioniert, wenn sich die beiden – vermeintlichen oder tatsächlichen – Gegensätze versöhnen lassen. Im Moment aber, so scheint es, überwiegt in Teilen der Bevölkerung die Angst vor dem Zuviel. Diese lässt sich nicht wegwischen, indem man die (untauglichen) Mittel dagegen als «fremdenfeindlich» oder «faschistoid» abtut. Diese Diffamierung offenbart ihrerseits eine Angst – bei deren Absendern.

Man bräuchte gar nicht so nervös zu sein. Es gibt genügend sachliche Argumente. Die Ecopop-Initiative verletzt die Erfolgsbalance der Schweiz – jene zwischen Offenheit und Identitätssicherung. Eine derart krasse Einschränkung der Einwanderung würde die Wirtschaft in grosse Schwierigkeiten bringen. Und bei aller berechtigten Skepsis gegenüber der EU ist doch auch allen klar, wie wichtig ein geregeltes Verhältnis für das Gedeihen der Schweiz ist. Pendelschläge mal in Richtung Offenheit, mal in Richtung Identitätssicherung haben unser Land am Ende immer weitergebracht. Doch das Pendel darf weder in die eine noch in die andere Richtung zu weit ausschlagen.

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