Helden-Geschichten

Die Schweizer Geschichte ist nicht reich an Helden. Vielleicht auch darum, weil Helden etwas Unschweizerisches an sich haben: Sie ragen heraus, sind etwas Besonderes, werden verehrt. Das verstösst gegen unser direktdemokratisches Gesellschaftsverständnis, das zumindest seit 1848 Teil der Schweizer DNA ist.

Es gibt Ausnahmen. Unsere Nati-Fussballer, egal ob helvetischer oder kosovarischer Herkunft, sind für unsere Medien Helden, weil sie sich für Brasilien qualifiziert haben. Der «Blick» erklärte Skifahrer Daniel Albrecht diese Woche auf Seite eins zum Helden, Radio SRF 3 den Mundartrocker Polo Hofer («Nationalheld»). Für den «Tages-Anzeiger» ist Stanislas Wawrinka ein Held. Roger Federer ist es für fast alle. Was auffällt: Es sind fast immer Männer, die diesen Status erhalten. Martina Hingis war nie eine Heldin, Vreni Schneider bloss ein «Gold-Schätzli».

Und nun starten also die SRG-Sender eine Serie unter dem Titel «Die Schweizer». Auf dem Plakat als Helden inszeniert (siehe Foto links), blicken uns sechs «ausgewählte Persönlichkeiten der Schweizer Geschichte» entgegen. Alles Männer. Entweder müssen die SRG-Macher zum Schluss gekommen sein, dass keine Frau den Rang einer «ausgewählten Persönlichkeit» verdient. Oder sie haben die Frauen schlicht vergessen.

Das ist keine Staatsaffäre, aber für ein so ehrgeiziges Projekt, das die Radio- und TV-Sender in allen Landesteilen einbezieht, ein bisschen peinlich. Denn es gibt sie durchaus, die Schweizerinnen, die unsere Geschichte geprägt haben. Wir stellen Ihnen einige vor.

Überraschen kann die Übervertretung männlicher Helden und Geschichtsfiguren nicht wirklich. Denn wer bedeutend ist, das legen in der Regel die Männer fest. Auch im Jahr 2013.

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