Antwort von Oswald Grübel: Der Hypothekenmarkt, gleich Immobilienmarkt, ist heiss. Kein Wunder, wenn man für 10-jährige Hypotheken nur 1,5 Prozent Zinsen zahlen muss und Mieten mit Renditen von 4,5 Prozent hoch sind. Rein rechnerisch spricht nichts dagegen, das ersehnte Haus oder die Wohnung jetzt zu kaufen. Aber wie sieht es in zehn Jahren aus? Kann auch bei viel höheren Zinssätzen die Hypothek noch bedient oder sogar getilgt werden? Das ist ein sehr langer Zeitraum und es ist unmöglich, vorherzusehen, was passieren wird.

Wir können davon ausgehen, dass Immobilienpreise heute trotz sich anbahnender Rezession hoch sind und bei weiterhin tiefen Zinsen hoch bleiben und sogar steigen können. Es ist eine sich aufwärts drehende Spirale, die sich erst umkehrt, wenn die Zinsen steigen.

Dieses Phänomen ist nicht neu, wir haben es schon oft erlebt und es wiederholt sich immer wieder. Wenn die Spirale dreht, die Zinsen steigen und die Immobilienpreise fallen, findet jede Generation erneut heraus, was das Wort Immobilie heisst. Nämlich, dass man sie nicht immer verkaufen kann, wenn man will.

Die grossen Verlierer in dieser Situation sind neben den Besitzern die Banken. Unsere letzte grosse Immobilienkrise war erst Anfang der 90er-Jahre und wir haben dazugelernt: Die Belehnungssätze sind heute etwas tiefer.

Es gab kürzlich eine Warnung der SNB, aber diese hat nichts bewirkt. Die Bauwirtschaft ist ein sehr wichtiger und grosser Teil der Gesamtwirtschaft und hilft gerade jetzt, die Beschäftigung hoch zu halten. Deshalb wird die Politik nichts unternehmen, um den aktuellen Bauboom zu bremsen.

Jede Woche beantwortet Oswald Grübel eine Leserfrage. Schicken Sie Ihre Frage an den ehemaligen UBS- und CS-Chef: gruebel@sonntagonline.ch

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