Der Kommentar: Eine Freundin sagte kürzlich, dass sie lieber eine geschiedene als unverheiratete Frau sei. Für sie klinge das viel besser. Ihre Hochzeit war pompös. Ihre Ehe hielt drei Jahre. Sie sagt: Für sie hat es damals gestimmt, sie habe geliebt. Punkt. Keine Reue. Reality eben.

Natürlich ist es gut, haben wir heute andere Möglichkeiten, können wir gehen, müssen nicht ausharren. Bevor Verfall und Verderben in eine Beziehung einziehen, sollte man getrennte Wege gehen. Scheidungsraten sagen nämlich nichts darüber aus, wie glücklich die Menschen sind.

Ich werde jedenfalls sicherlich niemals zu diesen hässlichen, lieblosen Frauen gehören, die sich lautstark über die Marotten ihres Mannes aufregen und ihn mit verachtenden Blicken bestrafen! Und mein von mir abgöttisch geliebter Mann wird keinesfalls zu jenen rücksichtslosen, lieblosen Ehegatten zählen, die ihre Frau am liebsten mit einem Beil zweiteilen würden – nur, damit sie endlich Ruhe gibt.

Nun stellt sich aber die Frage: Wann ist der beste Zeitpunkt für getrennte Wege? Kann man in drei, vier oder fünf Jahren alles ausgeschöpft haben, um seine Ehe zu retten? Und: Nach wie vielen Jahren ist eine Scheidung opportun? Es gibt keine massgebende Zahl. Doch es gibt Liebe. Moral. Verpflichtung. Respekt. Verantwortung. Sind kleine Kinder im Spiel, gilt es umso mehr: zusammenstehen, bis der Sturm vorbei ist. Gehen kann man später noch. Den Bettel schmeisst man nur einmal hin.

Eine Ehe ist mehr als ein grosses Fest, ein Prinzessinnenkleid und emotionale Reden. Heiraten ist mehr als ein Gefühlsrausch im Hier und Jetzt. Wir heiraten, um miteinander zu leben. Und nicht, um miteinander zu leben – so lange, bis es mir nicht verleidet. Vielleicht sollten wir vor dem Ja-Sagen trotzdem noch ein klein wenig den Verstand walten lassen.

Damit schonen wir nicht nur Nerven, sondern sparen auch Geld. Ein Plädoyer für den ganz normalen Wahnsinn. Auf dem Land und in der Stadt.

*seit eineinhalb Jahren verheiratet.