Am Donnerstag kündigte die Nationalbank an, Negativzinsen einzuführen. Spätestens jetzt zeigt sich, wie sehr die Kursuntergrenze unsere Währungshüter einschränkt. Sie greifen zu Minus-Zinsen, damit der Franken als Anlagewährung weniger attraktiv wird und sich nicht aufwertet. Diesem Ziel müssen sie alles unterordnen – und damit auch in Kauf nehmen, dass das immer tiefere Zinsniveau auf dem Immobilienmarkt zu einer Überhitzung führt.

Kommt hinzu: Es ist höchst fraglich, ob der Kapitalfluss in den Schweizerfranken wirklich nachlässt, wenn die Zinsen negativ sind. Die Russland-Krise, neue Ängste um Griechenland und geopolitische Unsicherheiten beeindrucken Leute, die ihr Geld in den sicheren Hafen Schweiz bringen wollen, mehr als die «Strafe», die sie für Geldanlagen zahlen müssen – abgesehen davon, dass diese natürlich nicht gilt für Wertschriften- und Immobilieninvestments.

Man muss der Nationalbank attestieren, dass sie den Mindestkurs bislang klug durchgesetzt hat. Die Exportwirtschaft und der Tourismus profitieren davon. Doch die Bewährungsprobe steht Nationalbankpräsident Thomas Jordan noch bevor. Die gefährlichen Nebenwirkungen der Euro-Anbindung werden immer offensichtlicher, die Verteidigung der 1.20er-Grenze teurer, die Devisenberge der Nationalbank höher. Wenn die Europäische Zentralbank am 21. Januar die Geldschleusen noch weiter öffnet und den Euro zur Schwach-Währung macht, wirds brenzlig.

Die grosse Frage lautet: Wann und wie kann sich die Schweiz aus der Geiselhaft des Euro befreien? Es ist davon auszugehen, dass der intelligente Notenbankpräsident Jordan eine Exit-Strategie hat. Dass er darüber nicht öffentlich sprechen kann, ist klar. Klar ist aber auch: Von Jordan hängt das wirtschaftliche Gedeihen des Landes entscheidend ab.

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper