Der Kommentar: Die Tat sprengt jede Vorstellungskraft. Ein Musiklehrer und selbst ernannter Heiler hat 20 Menschen Blut gespritzt, welches das HIVirus enthielt. Sieben Jahre lang haben die Ermittlungen gedauert. Der Mann bestreitet die Tat, doch die Faktenlage ist erdrückend. Dennoch ist der «Heiler» auf freiem Fuss, und in seiner Musikschule darf er weiterhin unterrichten.

Nun hat sich ein Opfer per Mail an den «Sonntag» gewandt. Darin heisst es: «Angesichts des psychiatrischen Gutachtens verstehen wir nicht, warum der Angeschuldigte bis zum Prozess nicht inhaftiert wird.» Dieses Gutachten ist in der Tat alarmierend: Der Mann leide unter einer Persönlichkeitsstörung mit «psychopathischen Zügen», so das Gutachten. Vor allem aber: Es bestehe Wiederholungsgefahr.

Es ist unverantwortlich, den «Heiler» bis zum Prozess frei herumlaufen zu lassen. Was, wenn der Guru ein 21. Opfer infiziert? Hellhörig macht ein Vorfall vor wenigen Wochen: Eine Frau erstattete Anzeige gegen den Mann, weil er sie mit der Faust ins Gesicht geschlagen haben soll.

Es ist eine Horrorvorstellung für die Opfer, dem «Aidsspritzer», wie er in den Medien genannt wurde, auf der Strasse in Bern zu begegnen. Warum mutet ihnen die Justiz dies zu? Die Behörden verweisen auf ein Bundesgerichtsurteil von 2011, wonach es genüge, dass der Mann den Kanton nicht betreten dürfe, in dem seine Ex-Partnerin lebt.

Das Gutachten wirft ein neues Licht auf die Gefährlichkeit des «Heilers». Es lässt nur eine Schlussfolgerung zu: Man sollte ihn so schnell wie möglich aus dem Verkehr ziehen.

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