Der Kommentar: Das Schweizer Fernsehen hat geschafft, was keinem Medium vorher gelang. Der «Heiler» von Bern äusserte sich erstmals persönlich vor der Kamera. Doch was das TV damit machte, war ein einziges Ärgernis. Man fasste den Aidsspritzer mit Samthandschuhen an.

Im Film durfte er unwidersprochen behaupten, dass er seine Frau nicht geschlagen und mit dem Tod bedroht hat. Sie habe dies nur erfunden, damit er seine Tochter nicht mehr sehen darf. Seine Ex-Frau, eine in Fachkreisen bekannte Ärztin, kam nicht zu Wort, um ihr Martyrium zu schildern.

Unentschuldbar der Moment, als der Heiler behauptete, seine Opfer hätten sich selbst angesteckt, und untereinander sexuelle Beziehungen gepflegt. Auch dies blieb unwidersprochen. Kein Opfer äusserte sich im Film zu dieser Verhöhnung.

Unverständlich, dass man im Beitrag den grössten Trumpf nicht ausspielte, um den Aidsspritzer
zu entlarven. Man unterlies es aufzuzeigen,
dass er nicht 16, sondern in Tat und Wahrheit
21 Personen mit HIV infiziert hat. Vor Gericht musste er sich nur nicht dafür verantworten, weil vier davon seine Verwandten sind und auf eine Klage verzichteten.

Hätten die Filmemacher den «Heiler» mit der HIV-Infizierung seiner engsten Angehörigen konfrontiert und ihn gefragt, ob diese sich auch gegenseitig angesteckt haben – ich glaube nicht, dass er diese Fragen auch mit einem süffisanten Lächeln weggesteckt hätte. Eine verpasste Chance.

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