Der Kommentar: Es gibt fast keinen Grund, der gegen öffentliche Hearings spricht, wie sie England kennt. Für die betroffenen Firmen sind sie begrüssenswert. Indem gescheiterte Manager öffentlich den Kopf hinhalten, übernehmen sie kollektiv Schuld. Die Bevölkerung sieht den gefallenen Star, der einst Millionen verdiente. Sie sieht ihn in all seinen Unzulänglichkeiten, wie er stammelt, schwitzt und nach Vergebung fleht.

Wären Marcel Ospel oder Peter Wuffli öffentlich für das desaströse Hypotheken-Engagement in den USA gegrillt worden, hätte ihnen die Öffentlichkeit und Aktionäre ein Stück weit verziehen. Stattdessen geistert eine Strafklage auch fünf Jahre nach den Milliardenabschreibern in den Köpfen mancher frustrierter Aktionäre herum. Und belastet die UBS immer wieder aufs Neue. Manch hoher Bankmanager wäre froh, wenn fehlbare Kollegen öffentlich Busse tun müssten.

Hearings sind aber auch eine Herausforderung für die Politik. Wenn ein Parlamentarier einen Spitzenmanager in die Mangel nehmen will, braucht er starke Dossierkenntnis. Wenn er schlecht vorbereitet ist, die falschen Fragen stellt, dumm herumschaut, macht er sich ebenfalls lächerlich. Davor haben offensichtlich viele Schweizer Parlamentarier Angst, deshalb sind sie gegen diese Befragungen.

Ob der öffentliche Pranger eine disziplinierende Wirkung auf Manager ausübt, ist allerdings fraglich. In den USA und Grossbritannien, wo Hearings an der Tagesordnung sind, lässt sich dies nicht feststellen. Für die Schweiz ist wichtig: Hearings – wenn sie eingeführt würden – sind kein Ersatz für griffige Strafgesetze und mutige Staatsanwälte.

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