Die Swatch-Gruppe gab diese Woche eine Warnung heraus. Der Nachfragerückgang in Hongkong und Europa lasse den Gewinn einbrechen. Doch CEO Nick Hayek verweigert den Abbau von Arbeitsplätzen. Der Börsenkurs von Swatch gab zwischenzeitlich um 12 Prozent nach.

Der Kommentar:
Der Vater von Nick Hayek, Swatch-Übervater Nicolas Hayek, hatte sie schon zur Meisterschaft entwickelt: die hohe Kunst des Finanzmarkt-Bashings. Nick Hayek bewies diese Woche, dass er seinem Vater in dieser Disziplin in nichts nachsteht. Seine Gewinn-Warnung wickelte er gekonnt in eine Kritik kurzfristig denkender Finanzmärkte. Und verwandelte eine Niederlage – Hayek war zu Beginn des Jahres zuversichtlich gewesen – in einen Sieg. Swatch hielt industrielles Denken hoch – und widerstand damit der kurzfristigen Gewinnmaximierung der Finanzmärkte.

Natürlich seien sinkende Verkäufe mit verantwortlich für den Gewinneinbruch, hiess es in der Warnung. «Aber auch die Tradition und Philosophie der langfristigen industriellen Strategie der Swatch Group.» Gemäss dieser würden die Mitarbeiter nicht als blosser Kostenfaktor betrachtet, sondern weiterbeschäftigt. Wem das nicht deutlich genug war, dem liess Hayek über die Medien ausrichten: «Wir sind keine Firma, die, um der Börse zu gefallen, Kurzarbeit einführt oder Entlassungen vornimmt.» Die industrielle Swatch da, Finanzmarkt-Gambler dort.

Freundlicherweise liefen die Börsianer geradewegs in die Falle. Ein erboster Analyst sagt: «Ein solches Verhalten erinnert uns an (gänzlich) private Unternehmen, wo der Patron nicht auf Kosten der Mitarbeiter sparen möchte. Die Publikumsaktionäre dürften hier eine etwas andere Optik haben.» Sieg auf der ganze Linie für Hayek. Dennoch wird er den Gewinn wieder hochbringen wollen und müssen.

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