Die Deutschen lieben die Schweiz wegen der aus deutscher Sicht tiefen Steuern, der Sauberkeit, der funktionierenden öffentlichen Betriebe, der Bescheidenheit der Politiker, unserer Aufrichtigkeit und natürlich auch als Urlaubsland mit dem trotz der hohen Preise dazugehörenden Chalet. Die deutsche Industrie findet unser himmelhohes Preisniveau unwiderstehlich und tut alles, um ihre Exporte in die Schweiz zu verteidigen.

Wir bewundern die Deutschen für ihr Organisationstalent, ihre eloquente Ausdrucksweise, allerdings nur in Deutsch, ihre Autoindustrie sowie andere hochwertige technische Güter und natürlich für die Bereitschaft, unsere Preise zu bezahlen. Dann sind da noch die zirka 300 000 deutschen Arbeiter und Angestellten in der Schweiz, ohne die einiges nicht mehr so reibungslos ablaufen würde, wie wir es gerne haben.

Das politische Verhältnis der beiden Staaten ist durch Freundlichkeit und gegenseitige Anerkennung geprägt. Die Bewunderung kann allerdings auch umschlagen und dann Minderwertigkeitskomplexe und andere Emotionen auslösen. Die Deutschen werfen uns vor, dass ihre Landsleute Steuern hinterzogen, weil wir es ihnen so leicht gemacht haben. Sie sind neidisch, weil so viele ihrer Millionäre es vorziehen, bei uns zu leben, suchen aber nie die Schuld bei sich.

Uns andererseits gefällt nicht, dass wir von den Deutschen abhängig werden, in Spitälern und an Schulen beispielsweise. Deshalb starten die Boulevard-Blätter alle paar Jahre kleine Hetzkampagnen gegen Deutsche in der Schweiz.

Es ist eben wie in einer grossen Familie.

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