Der Kommentar: Über das Smartphone in unserem Hosensack wissen die Strafverfolgungsbehörden fast alles. Zwölf Monate lang werden unsere Randdaten gespeichert. Sie dokumentieren, wann wir wo wie lange mit wem telefoniert haben. Dadurch lassen sich Bewegungsprofile erstellen. Dank diesen Angaben können die Ermittler die Reise von Anis Amri durch Europa nachzeichnen.

Über eine alte Pistole in unserem Schrank wissen die Strafverfolgungsbehörden hingegen nichts. Wurde sie vor 2008 gekauft, muss sie nicht im Waffenregister eingetragen werden. Nur neuere Käufe werden erfasst. Das erschwert die Ermittlung der Geschichte einer Waffe. Weil diese Angaben fehlen, können die Ermittler die Reise von Anis Amris Pistole durch Europa nicht nachzeichnen.

Die Ungleichbehandlung von Smartphone und Pistole hängt mit unterschiedlichen politischen Vorstellungen von Datenschutz zusammen. Linke Politiker sehen unsere Freiheit in Gefahr, wenn die Behörden mehr über unser Smartphone wissen. Sie wehrten sich deshalb gegen das Überwachungsgesetz Büpf. Bürgerliche Politiker sehen unsere Freiheit in Gefahr, wenn die Behörden mehr über unsere Pistole wissen. Sie wehren sich deshalb gegen eine Ausweitung des Waffenregisters auf ältere Daten.

In der von Terroranschlägen in Europa geprägten Sicherheitsdebatte müssen beide Seiten ihre Vorstellungen von Datenschutz überdenken. Für Smartphone und Pistole sollten dieselben Regeln gelten.

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