Der Kommentar: Seit 20 Jahren habe ich ein Generalabonnement der SBB, seit 10 Jahren ein Handyabonnement der Swisscom. Beides geht gut zusammen: Auf der Zugfahrt erledige ich oft mehr Pendenzen als im Büro. Telefonieren und mailen unterwegs – effizienter gehts nicht:
Ein unschlagbarer Wettbewerbsvorteil der Bahn gegenüber dem Auto. Und da ich inzwischen gelernt habe, mit gedämpfter Stimme zu sprechen, ziehe ich auch kaum mehr den Ärger benachbarter Fahrgäste auf mich.

Doch in den letzten Monaten ist das Telefonieren selbst zum Ärgernis geworden. Man kann auf vielen Bahnstrecken kaum mehr als ein paar Minuten reden – und fliegt wieder raus. Am Mittwoch brach meine Verbindung zwischen Bern und Aarau siebenmal ab. Am Donnerstag am Zürichsee zwischen Wädenswil und Lachen viermal. Und das, obwohl ich immer in einen vorderen Wagen einsteige, weil dort der Empfang besser ist als hinten.

Von der Rausfliegerei hat auch derjenige nichts, der am liebsten den ganzen Zug zum Ruhewagen erklären würde. Denn nerviger als belanglose Plaudereien, die man unfreiwillig mithört, sind die verzweifelten Rufe in anschwellender Lautstärke: «Hallo? Hallo! Hörst du mich noch? Hallo!» Und dann, ein Minute später: «Hallo, ich bin wieder da. Hörst du mich?»

Es ist unverständlich, dass die Telekomanbieter und die SBB ihr Netz nicht zügig ausbauen. Es geht nicht an, dass sie uns bis ins Jahr 2015 vertrösten. Die Zahl der iPhone-, Google-Phone- und iPad-Benützer steigt täglich. All diese Geräte saugen Daten von einer gleichbleibenden Zahl von Antennen ab. Da bahnt sich ein Datenstau an, der ebenso zum Frust werden kann wie der Stau auf der Strasse. Im Auto funktioniert wenigstens das Telefonieren meist störungsfrei.

Ich meine: Bahnfahrende Vieltelefonierer haben Anspruch auf Empfang! Schliesslich zahlen wir immer mehr für unser Bahnabo. Und europaweit die höchsten Handytarife – die uns die Telekomfirmen mit der angeblich hochstehenden Netzqualität verkaufen.