Damals, Mitte der 80er-Jahre, war das Waldsterben das dominierende Thema. Auf dem Bundesplatz demonstrierten Zehntausende gegen die Umweltzerstörung. Das Parlament traf sich zu einer «Waldsession», an der entschieden wurde, den öffentlichen Verkehr massiv zu fördern.

Heute, gut 20 Jahre später, spricht keiner mehr vom Waldsterben, und keiner beklagt sich über leere Züge, im Gegenteil: Die Waggons und Perrons sind zu Stosszeiten überfüllt, das Bahnnetz ist am Anschlag. Zugleich läuft eine Debatte zur Frage: Wie viele Leute verträgt die Schweiz? Und wie viel Zuwanderung? Die SVP will sogar den freien Personenverkehr mit der EU aufkünden.

In die damalige Zeit passten Preissenkungen im öffentlichen Verkehr, in die heutige Zeit passen Preiserhöhungen. Sowohl für die SBB als auch für Verkehrsminister Moritz Leuenberger ist klar: Ende 2010 wird es eine Tarifrunde geben.

Unerwartet ist, dass die SBB-Chefs nicht die Einzelbilletts verteuern wollen, sondern das «Volks-Abo» Halbtax. Seit 1993 wagten es die Bahnmanager nicht, diesen Abopreis anzutasten. Jetzt aber wollen sie die 150-Franken-Schwelle durchbrechen.

Das ist riskant, denn nach der letzten Preiserhöhung um 25 Franken brachen die Aboverkäufe vorübergehend ein. Und doch ist der Schritt logisch: Einzeltickets zum vollen Preis sind heute tendenziell zu teuer, das Halbtaxabo ist günstig und schlug in all den Jahren nie auf – obwohl das Bahnangebot stetig ausgebaut wurde. Wer kann, sollte sein Halbtaxabo also noch um zwei oder drei Jahre verlängern, bevor es aufschlägt.