Der Kommentar: Das Gutachten in der Baselbieter Händedruck-Affäre ist sehnlichst erwartet worden. Nun liegt es vor. Doch kaum jemand hat das zehnseitige Dokument tatsächlich gelesen. Die Zusammenfassung der Medienmitteilung hat für die Schlagzeilen genügt. Dabei ist die Rechtsabklärung entlarvend: Nur der erste Teil besteht aus einer juristischen Argumentation. Darin werden vor allem Gründe genannt, weshalb sich ein Händedruck-Zwang rechtlich nicht durchsetzen lässt. Der zweite Teil besteht aus einer politischen Würdigung. Darin wird die Bedeutung der gesellschaftlichen Umgangsformen an Schulen aufgezeigt. Beide Teile sind richtig: Mit den heutigen Gesetzen lassen sich Bussen für Händedruck-Verweigerer kaum rechtfertigen. Dennoch muss von jedem Schüler erwartet werden, dass er seine Hand nicht wegzieht, wenn ihm ein Lehrer seine entgegenstreckt.

Aus diesem Dilemma wählt die Baselbieter Bildungsdirektion den falschen Ausweg: Sie zitiert wenig aussichtsreiche Paragrafen, um drastische Bussen anzudrohen. Kommt es tatsächlich zu einem Gerichtsverfahren, steht sie auf verlorenem Posten. Den bürokratischen Aufwand für ihr Gutachten hätte sie sich sparen können.

Um die Händedruck-Affäre zu lösen, braucht es keine neuen Gesetze und Vorschriften. Die Lehrer müssen von ihren Schülern verlangen können, dass sie respektvoll begrüsst werden. Entstehen dabei Probleme, müssen die Lehrer sie mit allen möglichen pädagogischen Massnahmen angehen. Dafür sind sie schliesslich ausgebildet und bezahlt. Schieben sie die Juristen der Verwaltung vor, können sie nur verlieren. Respekt lässt sich nicht mit Bussen erzwingen.

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