Verkehrsunfall und 8000 Menschen an den Folgen des
Rauchens: Der ganz normale Wahnsinn, in der Öffentlichkeit selten ein Thema.

Die Schweinegrippe hat hierzulande noch niemanden das Leben gekostet, weltweit gibt es ein gutes Dutzend Todesopfer, alle in Mexiko und in den USA. Dennoch sind die Zeitungen und Fernsehsendungen voller Berichte. «Die Einzigen, die das Virus haben, sind die Medien», sagte mir ein Bekannter.

Die medien könnten es machen wie Gesundheitsminister Pascal Couchepin. Er schweigt zur Schweinegrippe, weil sein Auftritt signalisieren könnte: Die Lage ist ernst. (Obama forderte sein Volk derweil zum häufigen Händewaschen auf.)

die Schweinegrippe zu verharmlosen ist genauso falsch, wie in Panik zu verfallen. Tatsache ist, dass die Weltgesundheits-rganisation WHO die Gefahr einer Pandemie als «sehr hoch» einschätzt und die Alarmstufe zweimal erhöht hat. Da wäre es zynisch, die Schweinegrippe als medialen Hype abzutun. Sie ist aus zwei Gründen zu Recht ein grosses Thema:

Erstens hat das Virus gemäss WHO das Potenzial, zu einem Killervirus zu mutieren, das sich weltweit verbreitet. Eine zweite, noch aggressivere Grippewelle mit dem mutierten Virus ist eine reale Gefahr. Niemand weiss, wie hoch die Wahrscheinlichkeit für dieses Szenario ist. Gerade diese Unsicherheit weckt Unbehagen.

Zweitens gibt es Zweifel, ob die Behörden genügend gut vorbereitet sind für den schlimmsten Fall. Reichen die Tamiflu-Vorräte? Warum hat die Schweiz bis jetzt kein Pflichtlager für Kinder-Tamiflu? Haben die Spitäler wirklich genügend Plätze? Wie war es möglich, dass ein Koffer mit Grippeviren in einem SBB-Zug explodierte?

Die Behörden tun gut daran, vom «worst case» auszugehen – davon, dass das Virus mutiert und weltweit Hunderttausende tötet. In der Hoffnung, dass sich alle Anstrengungen als unnötig herausstellen werden, weil die Pandemie ausbleibt.