Antwort von Oswald Grübel: Sagen wir einmal, bis jetzt wurden wir verschont. Natürlich wird es bei uns nicht so schlimm werden wie in den südeuropäischen Staaten. Die Gründe dafür sind vielfältig. Die Ausbildung ist wichtig, speziell heutzutage. In der Schweiz sind wir diesbezüglich in der Weltspitze. Die grossen Unternehmen wie auch die KMU bilden jährlich Tausende von Lehrlingen aus. Die Ausbildung ist auf höchstem Niveau, verglichen mit anderen Ländern, und trägt damit zur Berufssicherung bei.

Zudem sind unsere Betriebe global tätig oder haben mit ihren Produkten einen grossen globalen Marktanteil. Dies bedingt einen hohen technischen Standard, langfristige Investitionen und gute Kapitalisierung, was sie sicherer und weniger konjunkturanfällig macht. Obwohl wir hohe Löhne haben, sind sie im Verhältnis zu den südeuropäischen Staaten und der erzielten Produktion, in Qualität und Quantität, unter Umständen sogar tiefer als dort.

Durch die Einführung des Euro haben sich die Löhne in Südeuropa mehr als verdoppelt – ohne eine wirtschaftliche Gegenleistung. Diese konnte nicht geliefert werden, weil die Ausbildung oft fehlte. Wir müssen auch berücksichtigen, dass in einigen dieser Länder die Jugendarbeitslosigkeit selbst in Boomzeiten bei 20 Prozent liegt und dass heute die Jugend oft nicht mehr wirtschaftlich gezwungen ist, sich Arbeit zu suchen, da sie von ihren Eltern profitieren. Aber auch bei uns ist die Jugendarbeitslosigkeit etwa doppelt so hoch wie die gesamte Arbeitslosenrate.

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