Der Kommentar: Der «Kampf der Chöre» hat gravierende konzeptionelle Mängel. Es ist beispielsweise nicht einzusehen, weshalb Noëmi Nadelmann ihre Beziehungen spielen lassen und Sängerinnen und Sänger aus der Musikhochschule Zürich und einem bereits existierenden Hochleistungschor rekrutieren durfte, während Michael von der Heide in den Altstadtgassen von St. Gallen herumirren und als Chorist nehmen musste, wer ihm gerade über den Weg lief.

Das ist eine grobe Wettbewerbsverzerrung, weil so absolute Amateure gegen bestandene Halbprofis antreten müssen. Unausgegoren ist auch die «Jury»-Frage. Auf der Couch sitzen nicht etwa unabhängige Fachleute, sondern die Chorleiter selber. Was Wunder, dass sie sich gegenseitig mit Komplimenten eindecken («Hammer!», «Super!», «Fantastisch!»), Kritik würde bloss die Kameraderie stören. Die Heuchelei geht so weit, dass Noëmi Nadelmann, die bei «Music Star» jeweils geradezu beckmesserisch nach Fehlern suchte, den ziemlich mittelmässigen Vortrag des Fabienne-Louves-Ensembles überschwänglich lobte: «Ich bin begeistert, toll gesungen, eins a!»

Verglichen mit einer andern Neuheit aus dem Hause SF 1 ist der «Kampf der Chöre» allerdings geradezu grosses Kino. «Traders» ist 40 Minuten pure Langeweile, auch wenn sich Roman Kilchsperger darum bemüht, das Gegenteil herbeizuschwatzen. Es gibt nichts Verdächtigeres in einer Quizsendung als einen Moderator, der Sätze wie «Jetzt ist die Spannung enorm gross» von sich gibt. Das gilt auch für Kilchsperger, dem die Verzweiflung ob seiner unschlüssigen, unwissenden, entscheidungsunwilligen Kandidaten über eine halbe Stunde lang vom Gesicht abzulesen ist. «Traders» und «Kampf der Chöre» sind zwei Produkte, die die Ideenlosigkeit der SF-Unterhaltungsabteilung aufs Trefflichste illustrieren.

Das letzte Feuerwerk einer Unterhaltungschefin, deren Stärke nicht die Kreativität und nicht die Originalität waren. Etwas Gutes hat ihre darniederliegende Abteilung aber: Gabriela Amgartens Nachfolger Christoph Gebel, der den Betrieb am 1. Januar 2011 übernehmen wird, kanns nur besser machen. Schon mit wenigen Handgriffen – «Happy Day», «Traders», «Benissimo», «Wetten, dass...?» aus dem Programm kippen – schafft er viel Platz für Neues. Und hoffentlich echt Unterhaltendes.