Der Kommentar: Oswald Grübel hat noch nie ein Blatt vor den Mund genommen. Auch diese Woche wieder, als er vor den Konsequenzen einer allzu scharfen Grossbankenregulierung in der Schweiz warnte.

Für ihn ist klar: Bleibt es bei den 19 Prozent Eigenkapitalanforderung in der Schweiz, wird es mittelfristig schwierig, international konkurrenzfähig zu bleiben. Denn für Grübel ist genauso klar, dass die Amerikaner ihre Wall-Street-Banken nicht so hart anfassen werden. Also wird sich das Spielfeld zuungunsten der Schweizer Grossbanken verschieben.

Folgerichtig überlegt Grübel sich nun, die Organisation der Bank zu verändern. Im Extremfall heisst das: Die UBS verlegt ihren Hauptsitz an einen bankenfreundlicheren Finanzplatz, zum Beispiel nach New York, London oder Frankfurt. Damit könnte sie sich aus den Fängen der helvetischen Bankenregulierer befreien. Künftig würde sie dann vom amerikanischen Fed oder von der deutschen Bafin kontrolliert werden.

Allerdings wäre das ein riesiger Kraftakt: Die neuen Regulatoren würden verlangen, dass wichtige Funktionen der Bank aus der Schweiz an den neuen Sitz verlegt werden. Die Kosten wären gigantisch. Zudem ist völlig unklar, ob ein Wechsel langfristig von Erfolg gekrönt sein würde: Niemand weiss, wie eine künftige deutsche oder amerikanische Regierung in 20 Jahren den Banken gegenüber eingestellt sein wird.

Vertreibt die strenge Schweizer Regulierung Risikobereiche von UBS und Credit Suisse aus der Schweiz, dann hätte Nationalbank-Präsident Philipp Hildebrand eines seiner Ziele erreicht. Geschrumpft auf die Grösse einer überdimensionierten Zürcher Kantonalbank, hätten Dummheiten im Investmentbanking keine Verwüstungen mehr zufolge.

Doch eines muss sich auch der Grossbanken-kritische Philipp Hildebrand bewusst sein: Die Grossbanken sind trotz allem ein bedeutender Wirtschaftsfaktor und erfüllen eine wichtige Funktion für Schweizer Unternehmen. Es ist wie in jedem Finanzgeschäft: Ohne Risiko kein Gewinn. Das gilt es abzuwägen.