Antwort von Oswald Grübel: Darauf gibt es nicht viel zu reagieren und schon gar nicht seitens der Schweiz. Wir müssen eher beschämt erkennen, dass unsere «Zugeständnispolitik» einmal mehr verhöhnt wird. Wirklich beunruhigend ist, dass wir ein neues Kapitel in unserem «Transparenzwahnsinn» aufgeschlagen haben. Was sind da schon die paar Millionen, die Deutschland Informationsverkäufern bezahlt. Die müssen sich jetzt richtig dumm vorkommen.

Auch werden sich Menschen, die ihrer täglichen Arbeit nachgehen und ihr Bestes geben, um Karriere zu machen, fragen, ob sie etwas falsch machen und weshalb sie sich noch anstrengen sollen. Mit dieser Tat, einen verurteilten Kleinkriminellen als grossen Whistleblower mit 100 Millionen zu belohnen, ist die Ethik umgekehrt worden.

Handelt es sich hier um einen nicht zu beachtenden Einzelfall? Was machen wir, wenn es einmal nichts mehr aufzudecken gibt, wird unsere Ethik dann wieder ins Lot kommen? Die Antwort ist nein. Wir sind mithilfe unserer Technologie dabei, wieder einmal vom Baum der Erkenntnis zu essen, sind uns aber noch sehr im Unklaren, wie wir das nutzen wollen. Wenn Denunzierung, Verrat – oder schmeichelhafter ausgedrückt «Whistleblowing» – zur Tagesordnung gehören, dann helfe uns Gott. Dieser Weg führt uns in den Abgrund. Wir scheinen vergessen zu haben, dass es erst 70 Jahre her sind, seit solches Verhalten grosses Unheil angerichtet hat. Arme, traurige, technisierte Welt.

Jede Woche beantwortet Oswald Grübel eine Leserfrage. Schicken Sie Ihre Frage an den ehemaligen UBS- und CS-Chef: gruebel@sonntagonline.ch

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